Amazon Alexa: Ein Bericht aus der Küche

Amazon hat mich doch bekommen – natürlich. Als die Preise für Amazon Echos (so heißt das Gerät, in dem Alexa wohnt) für ein paar Tage drastisch reduziert wurden, blieb mir quasi keine andere Möglichkeit. Und da steht sie nun in der Küche, die weiße Röhre, die mich irgendwie immer an ein verkleidetes Auspuffrohr erinnert, und hört mir zu.

 

Alexas blauer Ring leuchtet

 

Wie es in den Wald hineinruft

Zunächst ein bisschen Echo-Kunde: Ich habe die Variante Amazon Echo Plus erstanden (früher hießen die Auspuffrohre nur Echo, jetzt aber Echo Plus, da das neue Standard-Echo jetzt kleiner ist, als das neue Echo Plus, ehemals Echo. Verstanden?). Diese hat, anders als der Echo Dot, einen integrierten Lautsprecher. Wenn man auf dem Echo Plus Musik abspielt klingt das also ganz ordentlich. Nicht so beim Echo Dot. Hier klingt es mehr, als hätte ich in MacGyver-Manier versucht einen Lautsprecher aus einer Cellophanfolie, einem Gummiring und einem Feuerzeug selbst zu basteln. Der Echo Dot sollte wirklich nur zur Spracherkennung benutzt werden und nicht zur Musikwiedergabe (Bitte auf keinen Fall zuhause ausprobieren!).

Ob Echo, Echo Plus, Echo Dot oder Echo Show (das letzte Gerät der Reihe, das auch einen Bildschirm und eine Kamera an Bord hat) spielt aber auch keine Rolle. Denn alle Geräte heißen Alexa.
Falsch: Alle Geräte sind Alexa. Spätestens wenn die unschuldige Stimme das erste Adventsgedicht vorliest, hat man auch keine andere Wahl mehr als dieses niedliche Auspuffrohr zu personifizieren.

 

Brauche ich Alexa?

Die Frage, die man sich unweigerlich vor jeder technischen Anschaffung stellt, ist: „Brauche ich das eigentlich?“. Und wenn wir ehrlich sind, ist die Antwort fast immer „Nein“. Wenn wir uns an der Maslowschen Bedürfnispyramide orientieren trifft wohl auf fast alle technischen Anschaffungen eher nicht zu, dass sie der Stillung der physiologischen Grundbedürfnisse (Essen, Schlafen) oder der Sicherheit dienen. Wer Alexa kauft, um seine sozialen Bedürfnisse (Stufe 3 der Pyramide) zu stillen, sollte vielleicht nächste Mal statt zu Media Markt zum Bingoabend oder gleich zum Psychologen gehen. Will sagen: Technische Geräte sind Luxusgüter, die wir nicht wirklich brauchen. Die Diskussion, ob man Alexa, ein iPhoneX, einen Kühlschrank mit Eiswürfelspender oder einen Quadrocopter wirklich braucht, ist meines Erachtens hinfällig. Der Mensch braucht sehr wenig von dem, was wir so in der Wohnung rumstehen haben.

 

Küchen-Alexa

Zur Vereinfachung unterscheide ich ab hier zwischen der Küchen-Alexa (Echo, das bei mir in der Küche steht) und der Wohnzimmer-Alexa (ihr kommt alleine drauf).

Die Küchen-Alexa ist wirklich hilfreich. Wenn ich morgens mein Müsli esse, lasse ich mir mein selbst zusammengestelltes Nachrichtenupdate vorlesen. Viele Nachrichtenportale erstellen eigens dafür 100-sekündige Snippets, die auch mindestens einmal am Tag aktualisiert werden.

Außerdem ersetzt die Küchen-Alexa quasi das Radio, da man über das Gerät alle digitalen Sender empfangen kann. Auch meine Spotify-Playlists kann ich über die Box abspielen.

Manchmal beantwortet Alexa auch mal schnell eine Frage zu der Einwohnerzahl von Eisenhüttenstadt, nach dem Wetter oder einem Fußballergebnis. Eher seltener wird eine der Alexa Apps benutzt (Die meistgenutzte App bei mir ist R2D2. Eine App, die immer nur piept wie der kleine Druide, egal was man fragt). Für Menschen, die nicht in einer Stadt wohnen und die Mülltonne vor das Haus stellen müssen, soll wohl auch die „Erinnerung-an-die-Müllabfuhr-App“ (oder so) sehr praktisch sein.

Das wirklich Nützliche an der Küchen-Alexa ist, dass man beim Kochen keine Timer mehr per Hand stellen muss (klingt albern, ist aber so). Ich kann parallel einen Ofen-, Nudel- und Tee-Timer stellen und brauche dafür nicht meinen Rührbesen aus der Sauce zu nehmen (Hihi, das klingt als würde ich regelmäßig aufwändig kochen).

Komplettiert wird das Leistungsspektrum von witzigen Fragen, die ich Alexa stelle nachdem der wöchentliche Alexa-Newsletter mit witzigen Fragen kam.

 

Wohnzimmer-Alexa

Die Wohnzimmer-Alexa führt ein größtenteils eher einsames Leben (Lacht nicht über mich, 3 Wochen mit dem Ding und das Gerät wird zu eurer Freundin, ich verspreche es euch). Sie hat, im Gegensatz zu Ihrer Schwester in der Küche, keinen nennenswerten Lautsprecher. Mit ihr macht Radio und Spotify hören dementsprechend nicht so viel Spaß (Euphemismus!).

Wohnzimmer-Alexas Hauptanfragen sind „Wie ist das Wetter draußen?“, wenn ich zu faul bin kurz aufzustehen und auf den Balkon zu gehen und „Stelle die Temperatur im Wohnzimmer auf 22 Grad“. Was? Das kann Alexa auch?
Ja, aber nur wenn ihr ein passendes Thermostat an eure Heizungen geschraubt habt. Ich habe zwei Thermostate, die nicht über WLAN, sondern über DECT direkt mit dem Router kommunizieren, installiert und Alexa quasi die Zugangsdaten zum Smart Home-Bereich meines Routers überlassen (Wenn man das so schreibt klingt das echt nicht so schlau). Auf jeden Fall kann ich jetzt die Temperatur im Wohnzimmer und in der Küche verändern ohne von der Couch aufzustehen (Make my life great again).

50% der Zeit, in der Alexa zuhört, wurde sie nicht von mir, sondern vom Fernseher aktiviert. Wenn in einer Serie jemand Alex heißt, ist das sehr verwirrend für sie. Manchmal fängt ihr blauer Kreis aber auch an zu Leuchten, wenn kein ähnliches Wort gesagt wurde oder, das ist schon gruselig, wenn niemand etwas gesagt hat.

 

Die Haken

Fangen wir mit dem Offensichtlichsten an: Wer sich einen Amazon Echo zulegt muss sich bewusst sein, dass technisch jedes Wort mitgehört wird. Amazon schwört, eine Übertragung des Gesagten ins Internet findet nur statt, nachdem Alexa aktiv angesprochen wurde. Gegenteiliges konnte bisher niemand beweisen. Glaube ich.

Ein weiteres Hindernis, das bei vielen den Spaß der Nutzung einschränken könnte ist: Man muss üben. Leider (oder glücklicherweise) versteht Alexa nicht jedes beliebige Kommando und findet nicht auf jede Frage eine Antwort. Aufgrund des Hypes, der um sprachbasierte Assistenzsysteme stattfindet, löst das bei Besuchern oft Enttäuschung aus („Was, das kann sie nicht? Was kann sie überhaupt?“). Letztlich ist das Echo auch nur ein Gerät und Alexa eben nur eine Software. Man würde schließlich auch nicht fragen: „Wie Fensterputzen? Kann das nicht dein iPhone machen?“

Teil der Eingewöhnungsphase ist auch, nicht „Alexa“ zu sagen, wenn man über Alexa redet, weil sie dann natürlich anspringt und eine Anfrage erwartet. Darum nennen wir Alexa jetzt Uschi, wenn wir heimlich über sie sprechen wollen (Dazu eine witzige Anekdote: Mir ist aufgefallen, dass in der Amazon-Werbung das „A“ in „Alexa“ komplett weggenuschelt wird, damit die Geräte nicht auf die Werbung anspringen).

Bevor man sich einen dieser schlauen Assistenten ins Haus stellt sollte man sich außerdem eines bewusst sein: Das ist erst der Anfang. So wie ich mir kurz nach dem Echo auch die Heizungsthermostate bestellt habe, könnte es mit etlichen weiterer Gadgets weitergehen. Letztens war ich kurz davor mein Wohnzimmer mit intelligenten Glühbirnen auszustatten. Davon kostet eine gerade mal läppische 30-45€ (wohlgemerkt eine Glühbirne, kein Set). Dafür kann man dann sagen: „Alexa, mach pinkes Licht im Wohnzimmer an“. Alles hat seinen Preis.

 

Alexa, komm zum Punkt

Alexa hat ihre Nische im Alltag gefunden. Besonders beim Frühstücken, beim Kochen und auf der Couch ist sie eine gute Begleiterin. Es bleibt zu hoffen, dass die „Skills“ genannten Apps in Zukunft noch besser werden und Alexa mit noch mehr Geräten kompatibel sein wird. Meine Teufel Raumfeld-Lautsprecher kann ich beispielsweise nicht über Alexa steuern. Dabei ist doch das der Traum: Eben nichts mehr selbst anfassen zu müssen, alles von der unsichtbaren Hand, welchen Namen sie dann auch immer trägt steuern zu lassen. Alexa kaufe dies, erinnere mich an das, mach Kaffee, mach Wäsche, mach mir gute Laune. Und spätestens, wenn Alexa zu einer echten Assistentin im echten Leben wird, werden wir auch die Datenschutzprobleme ignorieren können. Basta.

Und zum Schluss:

Wichtigster Satz für die Alexa-Nutzung: „Alexa, STOPP!“.
Bester Satz für die Alexa-Nutzung: „Alexa, frag R2D2 was der Sinn des Lebens ist!“

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