Science-Fiction: Aus der Traum

Luke Skywalker ist der Held meiner Kindheit. Okay, eigentlich ist er auch jetzt noch mein Held. Und mit ihm eigentlich alles, was mit Star Wars zu tun hat und damit natürlich auch: Das Lichtschwert. Unzählige Male habe ich mit imaginären Lichtschwertern gegen böse Sith-Lords gekämpft oder versucht unbewegliche Dinge durch meine Macht in meine Hand fliegen zu lassen. Und auch jetzt weckt das elektrostatische Summen, das im Film beim Schwenken des Schwertes entsteht, erstaunliche Kindheitserinnerungen in mir. Kurzum: Das Lichtschwert ist die Materialisierung all meiner Jugendträume.

Und was mir mein Schwert, ist vielen bestimmt KITT, das Super-Auto von David Hasselhoff in Knight Rider. Das konnte zwar keine Metalltüren zum Schmelzen bringen, dafür aber seinen Fahrer persönlich begrüßen, von alleine fahren, mit der Stimme gesteuert werden und hatte sogar noch eine Wärmebildkamera. Was früher als vollkommen irrwitzige Fähigkeiten für ein Auto konzipiert wurde, ist heute Realität: Alle der oben genannten Features sind heute serienmäßig auch im Tesla Model S integriert. (Der Fairness halber muss man sagen, dass KITT auch medizinische Analysen erstellen konnte. Das wird wohl erst im nächsten Tesla kommen).

Für real gewordene Science-Fiction-Elemente gibt es noch hunderte weitere Beispiele. Einige der coolsten sind dabei wohl das Hoverboard aus „Zurück in die Zukunft“, die virtuelle Eingabezentrale aus „Minority Report“ oder die Datenbrille aus Star Trek, die Alphabet jetzt als Google Glass X vor allem für Industrieunternehmen auf den Markt bringen will. Doch woher kommt es, dass besonders bereits bekannte Technologien, die häufig aus Science-Fiction stammen, jetzt real werden?

Für das Auftauchen von Innovationen, die fast eins zu eins aus Science-Fiction-Romanen und -Filmen übernommen wurden, gibt es aus meiner Sicht zwei verschiedene Erklärungen und wahrscheinlich liegt die Wahrheit wie so oft irgendwo in der Mitte. Letztlich ist es auch hier die altvertraute Huhn-Ei-Frage (Interessanter Kollateral-Fakt: Weltweit gibt es über 21 Milliarden lebende Hühner!).

Im ersten Szenario erdenken Science-Fiction-Autoren bei der Kreation vor allem technologische Entwicklungen, die aufgrund des aktuellen Entwicklungsstandes ein nächster logischer Schritt wären. Ein Beleg dafür wäre, dass in wirklich jedem Ratgeber zum  Thema „Wie schreibe ich eine gute Science-Fiction-Geschichte?“, den ich gefunden habe, der Punkt „Orientiere dich an aktuellen, wissenschaftlichen Entwicklungen“ vorkommt (Beispiel). Im Selbstversuch stelle ich außerdem fest, dass meine Antworten auf bspw. die Frage, wie wir uns in 50 Jahren fortbewegen werden, zuerst Weiterentwicklungen von aktuellen Verkehrsmitteln sind: Fliegende Busse, Kapseln in einem Röhrensystem wie der U-Bahn, sehr zahme Drachen mit angenehmen Sitzen usw. Diese Art zu Denken fühlt sich natürlich an. Wenn ich mir vorstellen soll, wie man sich fortbewegen könnte, ohne eine der mir bekannten Formen dafür zu verwenden, herrscht erst einmal große Leere. Dann denke ich an Beamen und stelle fest, dass auch das Beamen ja schon vor Ewigkeiten „erfunden“ wurde. Dann denke ich an Raum-Zeit-Kontinua (wieder einen Plural gelernt). Und dann gebe ich auf.

Die zweite Erklärung wäre, dass Ingenieure sich bei ihren Innovationen vor allem daran orientieren, was sie aus Büchern, Filmen oder sonstigen Quellen bereits kennen. Schließlich werden im ersten Schritt des Kreativitätsprozesses vor allem Informationen zusammengetragen, Bekanntes also katalogisiert und zusammengestellt. Und natürlich stehen die Ingenieure dann vor dem gleichen Problem, wie die Science-Fiction-Autoren:  Das Ende des Hirns ist das Ende der Idee.

Arthur C. Clarke, seines Zeichens Physiker und Science-Fiction-Author, stellt in seinem 3. Clarkeschen Gesetz eine schöne Verbindung zwischen den beiden Zünften her, indem er sagt: „Jede hinreichend fortschrittliche Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden.“ Wenn man diese Erkenntnis nutzt und die Magie in Harry Potter als Analogie zur fortschreitenden Digitalisierung betrachtet, ergeben sich ganz neue Einsichten in fantastische Literatur.

Der Ingenieur, der mit seinen technischen Skizzen Magie erschafft; der Autor, der mit seinen genauen Beobachtungen der Welt und deren Weiterentwicklung zum technologischen Fortschritt beiträgt: Vielleicht hat sich endlich gefunden, was zusammengehört. Daran glaube im Übrigen nicht nur ich, sondern auch die Firma SciFutures aus den USA. Deren Geschäftsmodell funktioniert nämlich genau mit dieser Symbiose aus Autoren und Ingenieuren, die zusammen an realen Problemen Ihrer Klienten arbeiten: Der Autor erdenkt sich neue Lösungen für ein bestehendes Problem und der Ingenieur übersetzt diese Idee auf moderne Plattformen. Science-Fiction wird so innerhalb von wenigen Wochen zur Realität.

Etwas länger dauerte der Prozess bei älteren Sci-Fi-Elementen, wie KITT oder dem Hoverboard. Aber nach und nach tauchen auch diese Ideen in unserer Welt auf. So wie das Lichtschwert: Dafür haben Wissenschaftler von Harvard und MIT bereits im Jahr 2013 die technische Grundlage geschaffen. Der führende Forscher der Gruppe trägt übrigens den Nachnamen Lukin. Kann das Zufall sein?

Comments

  1. Gefällt mir. Ich frage mich welche Trends im Bereich der Biotechnologie gerade wahr werden. In Deutschland gibt es zzwar die Gendebatte. Aber wenn man sich die Brave New World oder Matrix anguckt, würde ich denken, die Tage der biologischen Eltern sind gezählt. Gruselig. Irgendwie

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